Unser Kindergarten

Der Kindergarten für musische und sprachliche Erziehung wurde 1979 von zwei Müttern als Elterninitiativkindergarten gegründet. Eine Mutter war musikalisch und verband ihre Leidenschaft mit dem Beruf als Erzieherin. Die sprachliche Seite hatte die zweite Mutter inne. Sie kam aus Amerika und vermittelte den Kindern ihre Heimatsprache. Im Laufe der Zeit veränderten sich die Räumlichkeiten, die Gruppengrößen, das Aufnahmealter, das Personal und die Öffnungszeiten. Das Konzept wurde mit jeder neuen Leitung auf die Aktualität und auf dessen Verinnerlichung überprüft. So haben sich das halboffene Konzept sowie der Situationsansatz neben dem Berliner Bildungsprogramm in diesem Haus etabliert und werden durch musikalisches Begleiten im Kindergartenalltag und das Achten auf die deutsche Sprache getragen.

Unser Kindergarten liegt in der Gasteiner Straße im ruhigen Hinterhaus in Berlin-Wilmersdorf. Hier im lichten Erdgeschoss finden sich auf ca. 275 qm Gruppen-Ess-und Schlafräume. Auf der ca. 45 qm großen Terrasse und dem direkt angrenzenden öffentlichen Spielplatz ist reichlich Platz zum Buddeln, Klettern, Schaukeln, Plantschen und Entdecken. Zudem befinden sich in unmittelbarer Umgebung alle wichtigen Anlaufstellen wie, Bibliotheken, Schulen, Blumenläden, Bäcker, Feuerwehr, Kinderspielplätze, Parks usw. Und auch mit der U-Bahn (U7) und dem Bus (101/104/249/310) der BVG sind wir schnell zu erreichen.

Unser Bild vom Kind

Kindheit wird in der heutigen Gesellschaft nicht mehr als eine passive Phase der körperlichen und geistigen Entwicklung gesehen. Kinder eignen sich die Welt an, indem sie sich ein inneres Bild von der Welt konstruieren. Als Forscher und Konstrukteure erschließen sie sich ihre Umwelt aktiv und vergrößern Stück für Stück ihr Repertoire an Fähigkeiten und Fertigkeiten. Dieser Prozess ist dann so zu verstehen: Das Kind nimmt Signale wahr, strukturiert diese, weist ihnen Bedeutungen zu und reagiert darauf. Angetrieben von kindlicher Neugier tritt das Kind durch Spiel und Exploration mit der Welt in Kontakt und sammelt Erfahrungen. Das Kind lernt mit allen Sinnen, entwickelt Freude am Entdecken, nimmt Informationen aus seiner Umwelt auf und verdichtet sie zu Erfahrungsmustern und Lernprozessen. In rasanter Geschwindigkeit bilden sich Welt- und Selbstvertrauen heraus, sowie differenzierte motorische, soziale, kognitive, sinnliche und emotionale Kompetenzen. Mit zunehmendem Alter, erhöhen sich die Möglichkeiten, die Umwelt differenziert wahrzunehmen. Dabei wird das Weltbild des Kindes Tag für Tag vielschichtiger. Ein Kind muss in einer liebevollen und wertschätzenden Beziehung zu mindestens einer erwachsenen Person stehen, damit die Erfüllung seiner Interessen und seiner Bedürfnisse gelingen kann. Eine sichere Bindung ist somit existenziell notwendig und gewährleistet einen erfolgreichen Kompetenzerwerb für die Zukunft.

Von Geburt an besitzt jedes Kind alle natürlichen Voraussetzungen um seine Potenziale vollkommen zu entfalten. Diese selbstständige Aneignungsfähigkeit (Autopoiesis) der Kinder ist ihre stärkste Kraft, um Wissen und Können zu erschließen und sich auf das Leben als Ganzes vorzubereiten. Jedes Kind unterscheidet sich durch seine Persönlichkeit und Individualität, durch sein Temperament, genetische Veranlagung, Stärken, Eigeninitiative und Entwicklungsgeschwindigkeit.

Da das pädagogische Handeln durch das individuelle Bild vom Kind geprägt ist, gehört es zur Pädagogik und zum eigenen pädagogischen Konzept, sich mit dem Kind(sein) auseinanderzusetzen. Ob die Entwicklung des Kindes gehemmt oder gefördert wird, hängt also entscheidend von der Einstellung, der Wahrnehmung und dem professionellen Verständnis der Betreuungsperson ab. Dabei ist es wichtig, sich mit dem „Bild vom Kind“ regelmäßig auseinanderzusetzen, was zum Beispiel im Rahmen einer Evaluation/ Teamfortbildung geschehen kann. Für den Kindergarten, als soziale Einrichtung, ist somit ein klar definiertes Bild vom Kind ein zentraler Baustein, um den Entwicklungsstand des Kindes im Rahmen von Bildung, Erziehung und Betreuung optimal wahrzunehmen und mit einer individuellen Förderung zu begleiten.

Rolle als Erzieher

Die Aufgabe der Erzieher/innen ist es, die Kinder in einem bedeutenden Abschnitt ihres Lebensweges zu begleiten und sie immer wieder in ihrer individuellen Entwicklung zu unterstützen.

Jedes Kind wird bedingungslos akzeptiert und in seinen persönlichkeits-, alters-, geschlechts- und kulturspezifischen Besonderheiten respektiert. Die Erzieherinnen sollen feste Bezugspersonen sein, die den Kindern in liebevoller Atmosphäre das Gefühl der Geborgenheit und Zuwendung geben. Die Bedürfnisse, Interessen, Wünsche und Gefühle, der Kinder nehmen sie wahr und ernst und machen sie zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit.

Die Erzieherinnen befinden sich immer in einer Vorbildfunktion, besitzen und handeln nach Eigenschaften wie Empathie, Authentizität, Kreativität, Liebe, Vertrauen und Wertschätzung gegenüber Personen und Gegenständen. Sie vermitteln Werte, bieten Grenzen und Strukturen und schaffen Bedingungen zur aktiven und handelnden Teilnahme am Gruppenalltag.

Zudem ist es Aufgabe des Erziehers, das Kind gezielt zu beobachten. Aus diesen Beobachtungen können sie schließlich Interessen, Bedürfnisse, sensible Phasen, aber auch Schwierigkeiten erkennen, um schließlich individuell auf sie einzugehen.

Um dem Wissens-, Forscher- und Lerndrang der Kinder nachzukommen, stellen die Erzieherinnen Materialien zum Erkunden, Konstruieren und Experimentieren zur Verfügung, unterstützen sie und geben Hilfestellungen, wenn sie diese benötigen.

Es ist uns bewusst, dass der Kindergartenbesuch des Kindes die erste längere zeitliche Trennungsphase für Kind und Eltern bedeutet. Aus diesem Grund bemühen sich unsere Erzieherinnen um einen guten und offenen Kontakt zu Kindern und Eltern zu pflegen und die Eingewöhnung für alle Beteiligten positiv zu gestalten.

Aufgrund der vielfältigen Aufgaben des Erziehers, empfinden wir es als äußerst wichtig, die pädagogische Arbeit stets zu reflektieren.

Musischer Ansatz

Die musische Erziehung verstehen wir als ganzheitlichen Prozess. Das Erlangen von Musikalität steht dabei nicht im Mittelpunkt. Musik ist für uns eine Sprache, die mit allen Sinnen erlebbar und so facettenreich in ihrer Ausdrucksform ist. Mit ganzheitlichem Ansatz integrieren wir die Musik in unseren Alltag. Über das Singen hinaus, rhythmisieren und strukturieren wir unseren Tag mit musikalischen Elementen, wie Singspiele, Tischlieder, Aufräummusik, Entspannungsmusik, akustischen Signalen und begleiten pflegerische Abläufe (z.B. Windeln wechseln) musikalisch. In unseren Kreisen gehen wir spielerisch auf musikalische Grundlagen ein wie Rhythmusempfinden, Lautstärken, Körper als Instrument, Einführung in die orffschen Instrumente etc. Dies vertiefen wir in unserem wöchentlichen Rhythmik Angebot. Rhythmik verbindet die Musik mit Bewegung und Sprache. (siehe Angebote) Mit unseren ältesten Kindern tauchen wir in die musikalische Früherziehung ein. Über musikalische Mittel, wie Tempi, Dynamik, Tonhöhen etc. hinaus, lernen sie hier die ersten Grundlagen der Notation spielerisch kennen und anzuwenden. Wichtiger Bestandteil dabei ist die Motivation des Kindes. Als Pädagogen verstehen wir uns als Begleiter und gehen mit ihnen so lange den Weg des Erlernens und Erforschens, wie es das Kind von sich aus uns vorgibt und wünscht.
Wir möchten Musik für die Kinder über den ganzen Kindergartentag präsent halten. Daher sind unterschiedlichste Musikinstrumente fester Bestandteil unseres Materials und stehen den Kindern frei zur Verfügung. Wir Pädagogen treten in die Vorbildfunktion, indem wir Lieder und Singspiele instrumental begleiten bzw. Instrumente einbauen oder im Tagesgeschehen mit den Instrumenten (auch der Stimme) improvisieren. Dabei ist uns nicht die Vermittlung von Perfektion wichtig, sondern der kreative, natürliche Umgang mit Musik und vor allem der Spaß daran.
Wir sind motiviert, musikalische Elemente in den Kindergartentag zu integrieren und Musik mit anderen Bildungsbereichen intensiver zu verbinden sowie die Musik zur Vertiefung des Inklusionsansatzes zu nutzen. Für die Umsetzung nutzen wir das BBP, Fortbildungen und den Austausch untereinander. Zudem möchten wir gern die Unterstützung der Eltern nutzen. Mit ihrer Mitwirkung haben wir die Möglichkeit mehr über Musik aus anderen Kulturen zu erfahren bzw. zu erleben. Musikbetonte Hobbys und Berufe der Eltern, wie z.B. ein Instrument spielen, tanzen, etc. bereichern unseren Kindergarten ebenfalls, wenn sie mit unseren Kindern geteilt werden.

Pädagogik

Kinder haben das Recht, ihre individuellen Fähigkeiten zu verwirklichen und zu erweitern, ihr Autonomiebedürfnis in Selbstständigkeit/ Selbstverwirklichung zu bündeln und ihre Lernprozesse innovativ zu nutzen.

Unsere pädagogische Aufgabe besteht darin, den Kindern einen „Raum“ zu bieten, um ihre Selbstbildungsprozesse herauszufordern, ihre Interessen und Themen aufzugreifen und sie dann kreativ zu bearbeiten. Dieses Vorhaben  gelingt nur, wenn Erzieher und Familien zusammen kindzentriert im Rahmen von Politik, Wissenschaft und Forschung arbeiten. Eine konstruktive Erziehungspartnerschaft ist eine fundamentale Grundlage unserer pädagogischen Arbeit und schafft für jedes Kind eine gelingende Entwicklungsbegleitung und –förderung.

Ein weiteres grundlegendes Ziel unserer Einrichtung ist es, Kindern zu einer demokratischen Lebensweise zu erziehen. Das bedeutet, dass jedes Mädchen und jeder Junge seine Meinung erst einmal frei äußern kann und sie im Kontext der Gruppe austauscht bzw. einfügt. Demokratische Mitbestimmung (Partizipation) findet man täglich im gesamten Kitaalltag. Sei es bei Kreisen zu einem bestimmten Thema, wie zum Beispiel über Regeln und Pflichten in einem Gruppenraum oder in einer Spielsituation.

Das Leben hat viele Aufgaben, die es zu bewältigen gilt. Einige schaffen Fröhlichkeit und Freude, andere Frust und Ärger. Bei bestehenden Problemen und Konflikten unterstützten wir das Kind mit Hilfe unserer eigenen Erfahrungen und unserem spezifischen Wissen. Wir agieren als Vorbild, um gemeinsam mit den Kindern Strategien zu entwickeln, um zukünftige Schwierigkeiten gelassener zu bewältigen. Letztendlich möchten wir einen Ort der Selbstverwirklichung für die Kinder gestalten, in dem das ICH der Kinder sowie das Selbstbewusstsein gestärkt wird.